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10. Dezember 2020 | Nachhaltiges Bauen | Raumklima | Sichtmauerwerk

„Die Bedürfnisse der Menschen stehen bei unserer Architektur immer im Mittelpunkt.“

Im Rahmen der Umwandlung in eine Ganztagsschule wurde im südhessischen Hattersheim am Main die Regenbogenschule um einen zweigeschossigen Neubau erweitert: Der von Guckes & Partner Architekten realisierte Baukörper besticht nicht nur durch Funktionalität und räumliche Qualität, sondern überzeugt gleichermaßen in punkto Nachhaltigkeit. Auf einer Fläche von rund 896 m² bietet das im Passivhausstandard errichtete Gebäude viel Platz – zum Lernen, Arbeiten und Spielen. 

Mehr Platz – für die Kinder in den Schulen: Die Stadt Hattersheim ist die aktuell am stärksten wachsende Kommune im Main-Taunus-Kreis. Das Schulbauprogramm des Kreises ist dem Wunsch vieler berufstätiger Eltern nachgekommen und hat die Regenbogenschule in das Ganztagsprogramm des Landes aufgenommen. Daraufhin wurde das im Jahr 2000 errichtete Bestandsgebäude und die angrenzende Turnhalle um einen zeitgemäßen Neubau vergrößert, in dem 160 Kinder der rund 250 Schüler der Grundschule ganztags betreut werden. 

Der Erweiterungsbau wurde vom Idsteiner Architekturbüro Guckes & Partner als freistehender Baukörper realisiert. „Wie bei den meisten öffentlichen Bauprojekten stand hier die wirtschaftliche und funktionale Ausführung im Vordergrund, die aber gleichzeitig den Lern- und Betreuungskonzepten der Nutzer gerecht wird“, erläutert Iris Thomas, Architektin und Geschäftsführerin des Architekturbüros. „Vielseitig nutzbare Innen- und Außenbereiche und vor allem eine nutzerorientierte Architektur sind bei der Gestaltung von Schulen Voraussetzung für ein gutes Lernklima.“ 

Die Regenbogenschule spiegelt genau diesen Anspruch an eine zeitgemäße Schularchitektur wider: Einladend und freundlich, mit einem klarem Farbkonzept, natürlichen Materialien, einem durchdachten Raumprogramm und einer Ausstattung auf modernstem Stand. Der zweigeschossige Neubau ruht auf einem soliden Sockelgeschoss, das mit grauem Kalksandstein verblendet wurde. Das Obergeschoss, welches leicht auskragt und so unter anderem eine geschützte Eingangssituation bildet, wurde mit blauen Fassadenplatten versehen, der hintere Bereich mit hellem Putz verkleidet. 

Regenbogenschule Gebäude

Die Regenbogenschule in Hattersheim wurde im Rahmen der Umwandlung in eine Ganztagsschule um einen zweigeschossigen Neubau erweitert. Insgesamt 160 Ganztagsplätze wurden dadurch geschaffen.

Regenbogenschule

Der zweigeschossige Neubau ruht auf einem soliden Sockelgeschoss, das mit bruchrauem KS-Kalksandstein in grau verblendet wurde.

Ganzheitlich gedacht, nachhaltig gestaltet.

Raum ist entscheidend für eine Ganztagsschule. Trotz des relativ festgezurrten Raumprogramms, das vorgegeben ist, müssen ausreichend Gruppenräume und Rückzugsorte für die Schülerinnen und Schüler vorhanden sein. „Eine Herausforderung bestand darin, ein nachhaltiges Gebäude zu realisieren und gleichzeitig den hohen Einsatz an moderner Gebäudetechnik mit einer ansprechenden und nutzerorientierten Architektur zu vereinen“, berichtet Iris Thomas. „Genau da ist Kreativität gefragt. Dabei ist die enge Zusammenarbeit mit Bauherren und späteren Nutzern – also den Lehrern und Betreuern – entscheidend. Denn schließlich wollten wir mit dem Neubau einen Ort schaffen, an dem sich Lehrer und Kinder gleichermaßen wohl fühlen, gut arbeiten und lernen können“, so die Architektin.

Behaglichkeit und Natürlichkeit waren Leitmotive für die Erweiterung. Der großzügige Neubau bietet sechs zusätzliche Gruppen- und Differenzierungsräume, einen Ganztagsbereich mit Küche, Mensa und den geforderten Ruhezonen sowie einen Verwaltungsbereich. In der inklusiven Grundschule sind alle Räume barrierefrei über einen Aufzug zu erreichen. Ein Raum wurde speziell für Kinder mit Hörschäden konzipiert und ist durch schräg zulaufende Decken, welche die Schallwellen besser leiten, exakt auf die Bedürfnisse dieser Kinder zugeschnitten. Die grauen Böden sind nicht nur pflegeleicht sondern bieten einen weiteren Vorteil: Die Oberfläche besteht aus Gussasphalt, der nur wenig Schall reflektiert und somit den Geräuschpegel angenehm reduziert. Für die Klassenräume und den Essensbereich wurde ein freundlicher, hellgrüner Bodenbelag gewählt, der zu den grauen Böden in den Flurbereichen einen spannenden Kontrast bildet, gleichzeitig das klar strukturierte Raumprogramm widerspiegelt und die natürliche, robuste Material- und Farbpalette komplettiert. 

Höchste Qualität und haptisch erfahrbare Wertigkeit. 

Gebaut wurde nach der energiesparenden Passivhausbauweise. Das Dach des Neubaus wurde begrünt, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der benachbarten Sporthalle dient zur Energiegewinnung aus Sonnenlicht. Hochwertige und langlebige Materialien prägen den natürlichen Charakter des Gebäudes. Gerade deshalb legten die Architekten von Guckes & Partner auch bei der Wahl der verwendeten Baustoffe höchsten Wert auf Nachhaltigkeit: So fiel die Entscheidung auf solide, grau gefärbte KS-Kalksandsteine im Format KSVb 4DF mit einer Rohdichtenklasse von 1,8 kg/dm³ und der Druckfestigkeitsklasse von 20 N/mm². Diese wurden im gesamten Flurbereiche im Inneren des Gebäudes als tragende Innenwände im Läuferverband, halb versetzt, gemauert. 

Regenbogenschule

Hochwertige und langlebige Materialien prägen den natürlichen Charakter des Gebäudes. Die tragenden Innenwände in den Flurbereichen wurden mit soliden, grau gefärbten KS-Sichtmauerwerk erstellt.

Regenbogenschule

Kalksandstein reguliert hier auf natürliche Weise das Raumklima, verhindert Temperaturspitzen und erfüllt gleichzeitig die hohen Anforderungen an Schall- und Brandschutz.

Durch die klare aber gleichzeitig warme Anmutung trägt das KS-Sichtmauerwerk entscheidend zur gewünschten Behaglichkeit bei. Ein weiterer wichtiger Aspekt war das Raumklima: „Gerade in Schulen, wo viele Kinder, Lehrer und Betreuer zusammenkommen, ist ein angenehmes Wohlfühlklima entscheidend“, berichtet Iris Thomas.

„Der robuste, diffusionsoffene Stein reguliert auf natürliche Weise das Raumklima, verhindert Temperaturspitzen und erfüllt gleichzeitig die hohen Anforderungen an Schall- und Brandschutz. Da wir die Gebäudetechnik mit in den Neubau integrieren mussten, war der Schallschutz natürlich besonders wichtig. Dank der ausgezeichneten Schallschutzwerte von Kalksandstein konnten wir problemlos einen Technikraum realisieren, der direkt an einen Unterrichtsraum grenzt – ohne, dass Schüler und Lehrer durch eine hohe Geräuschkulisse gestört werden.“ 

Regenbogenschule

Der Erweiterungsbau bietet sechs zusätzliche Gruppen- und Differenzierungsräume, einen Ganztagsbereich mit Küche, Mensa und Ruhezonen sowie einen Verwaltungsbereich.

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Graue Verblender von KS-Original mit bruchrauer Oberfläche verleihen der Außenfassade ein ganz besonderes Aussehen.

Regenbogenschule

Im Flurbereich setzten die Architekten auf solide, grau gefärbte KS-Kalksandsteine, die durch die klare aber gleichzeitig warme Anmutung entscheidend zur Behaglichkeit beitragen.

Auch für den Außenbereich setzten die Architekten auf Solidität und Langlebigkeit: Hier ergeben graue KS-Verblender in Kombination mit den blauen Metallelementen und den Putzflächen dem Neubau sein einzigartiges Zusammenspiel von Materialität. Da der Stein nicht flächig, sondern dreidimensional erscheinen sollte, kam eine bruchraue Variante zum Einsatz. „Durch seinen Bruch wirkt die Fassade einfach natürlich“, so die Architektin. Um den genau passenden Farbton zu erhalten, erfolgte in enger Abstimmung zwischen Architekten und Bauherren mit dem regional benachbarten Werk Bienwald der Kalksandsteinwerke Schencking die gemeinsame Festlegung der individuellen Graufärbung des Kalksandsteins, der im Anschluss objektbezogen gefertigt wurde. „Kalksandstein ist für uns ein überaus bewährter Baustoff, den wir bei vielen Bauvorhaben verwendet haben. Bei diesem Projekten war es spannend, den nachhaltigen Baustoff in Sichtqualität zu verarbeiten – das war für uns vollkommen neu und einfach eine tolle Erfahrung“, so die Architektin.

Regenbogenschule Kalksandstein-Auswahl

In enger Abstimmung wurde die individuelle Graufärbung des Kalksandsteins für den Innen- sowie Außenbereich festgelegt.

Regenbogenschule

Mit Musterwänden, die von dem ausführendem Mauerer-Unternehmen direkt auf der Baustelle angefertigt wurden, wurde das ideale Fugenbild und der Mauerverband festgelegt.

„Flexibilität trägt entscheidend zur Nachhaltigkeit bei.“

Bereits in der Entwurfsphase setzten Iris Thomas und ihr Team auf individuelle Raumstrukturen, die exakt auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sind und darüber hinaus bei Bedarf wirtschaftlich und schnell geändert werden können. „Genau wie im Wohnungsbau ist es auch im Schulbau sinnvoll, mögliche Änderungen zu einem späteren Zeitpunkt der Gebäudenutzung einzuplanen, wie sie beispielsweise durch veränderte schulische Betreuungskonzepte entstehen“, so die Architektin abschließend. „Mit Kalksandstein haben wir die Möglichkeit, problemlos auf zukünftige Grundriss-Änderungen oder Anpassungen zu reagieren. Genau diese Art der Flexibilität trägt letztendlich entscheidend zur nachhaltigen Nutzung und damit zur Lebensdauer eines Gebäudes bei.“

Der Kopf hinter dem Projekt.

Architektin Iris Thomas leitet gemeinsam mit Ihren Partnern Gerhard Guckes, Malgorzata Wolf, Ralf Lambert, Axel Schmidt und Marion Fink das Architekturbüro Guckes & Partner Architekten mbB mit Sitz in Idstein im Main-Taunus-Kreis. Bereits im Jahr 1979 wurde das Büro von Gerhard Guckes gegründet, in dem aktuell 15 Mitarbeiter mit hohem gestalterischen Anspruch an der Umsetzung abwechslungsreicher regionaler Projekte arbeiten. Mit engagierter und fundierter Beratung in allen Phasen des Planungs- und Realisierungsprozesses liegen die Tätigkeitsschwerpunkte des Architekturbüros im privaten Wohnungs- und Gewerbebau sowie auf kommunaler Ebene im Bereich Schulen, Sporthallen, Hochschulgebäude und Behindertenwohnheime.
 

Regenbogenschule
Bauaufgabe
Nichtwohnungsbau
Lage
Hattersheim am Main
Architektur/Bauplanung
Guckes & Partner Architekten mbB
Bauherr
Main-Taunus-Kreis Hofheim Amt für Schulbau und Gebäudewirtschaft
Grundfläche
1474.00m²
Fertigstellung
September 2017

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