Außenansicht Haus Surmann

Umbau eines Sechzigerjahrehauses: Schmuckstück in bester Lage

Statt ein ehemaliges Studentenwohnheim in der Altstadt von Münster durch ein neues Wohnhaus zu ersetzen, entschieden sich die Bauherren zusammen mit dem Büro Architekten Spiekermann kurz vor dem Abriss, den fast 60 Jahre alten Bau doch zu erhalten und in ein zeitgemäßes Dreifamilienhaus umzuwandeln. Um die neuen Strukturen statisch sicher und effizient in den Altbau zu integrieren, kamen kleinformatige Kalksandsteine von KS-ORIGINAL zum Einsatz. Diese sorgen für eine hohe Flexibilität in der Bauphase.

Die Herausforderung lag im Bestand. In einer ruhigen, schmalen Straße an der Promenade im historischen Kern der Stadt sollte aus einem ehemaligen Studentenwohnheim aus den 1960er Jahren ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus entstehen. Die einfache, sparsame Bauweise des ursprünglichen Gebäudes mit kleinteiligen Grundrissen, dunklen Innenräumen und fehlenden Balkons empfanden die Bauherren als äußerst unattraktiv.

Haus Surmann Außenansicht

Das ehemalige Studentenwohnheim erstrahlt nach dem Umbau in neuem Gewand.

Dazu kamen energetische Probleme, denn Häuser aus dieser Bauzeit weisen so gut wie keine Wärmedämmung auf. Mit dem Auftrag eines Neubaus auf dem Grundstück traten sie an das Büro Architekten Spiekermann aus Beelen heran. Die klare Architektursprache des Büros im Einklang von traditioneller Baukultur und modernen Einflüssen hatte die Bauherren überzeugt. Oliver Spiekermann und sein Architektenteam entwickelten den Gebäudeentwurf, reichten den Bauantrag ein und organisierten die Abbrucharbeiten. „Doch dann kam alles anders“, sagt der Architekt. Aus verschiedenen Gründen sei plötzlich ein Abriss nicht mehr möglich gewesen. Stattdessen lautete nun der Auftrag: Sanierung und Umbau in ein Wohnhaus mit Appartements im Erd- und ersten Obergeschoss sowie im ausgebauten Dachgeschoss. Alles musste nun schnell gehen, um mit dem Projekt endlich beginnen zu können: Altbau aufmessen, Entwurf anpassen, dabei Statik, Wärmeschutz und städtebauliche Vorgaben beachten. Außerdem waren neue Genehmigungen einzuholen und die Baustellenlogistik in der engen Straße zu planen. „Das war eine völlig andere Aufgabe als der Neubau. Aber es hat sich gelohnt“, so Oliver Spiekermann. „Das Ergebnis ist sogar schöner als der ursprünglich geplante Neubau.“

Das Gebäude wurde zunächst komplett entkernt, um nicht nur alle Leitungen zu erneuern, sondern um vor allem die Grundrisse zu verändern. Über die erste und zweite Etage erstreckt sich nun eine Maisonette für eine Familie. Im Erdgeschoss dieser Wohnung befindet sich ein großer zusammenhängender Bereich für das Wohnen, Essen und Kochen, wohingegen das obere Stockwerk den privaten Rückzugsräumen vorbehalten ist. Im ersten Obergeschoss des Wohnhauses realisierten die Architekten außerdem ein zweites Appartement, ebenfalls mit fließenden Raumübergängen im vorderen öffentlicheren Teil und einem davon separierten Schlaf- und Badezimmer. Das Dachgeschoss hingegen ist ganz den Bauherren vorbehalten. Dort entstand eine 160 Quadratmeter große loftähnliche Wohnung. Da die Bauherrin eine Leidenschaft für Innenarchitektur hat, arbeiteten die Architekten und die Bauherrin sehr eng bei der Gestaltung der Räume zusammen. Oliver Spiekermann berichtet: „Die Bauherrin hatte sich zum Farb- und Materialkonzept viele Gedanken gemacht. Zum Beispiel sollten private Erinnerungsstücke in die Dachgeschosswohnung integriert werden.“ So zieren unter anderem von einer Reise mitgebrachte marokkanische Fliesen die Küche und alte Möbel bilden mit neuen Einrichtungselementen ein harmonisches Ganzes. Gerade die Mischung aus Altem und Neuem war den Architekten und Bauherren in der Dachwohnung wichtig, um eine warme, behagliche Atmosphäre zu schaffen. Auch das Sichtbarmachen der alten Stahlträger im Dachgeschoss gehört dazu.

Haus Surmann Wohnzimmer mit Kamin

Architektur schafft den Rahmen für eine individuelle Ausstattung.

Haus Surmann Küche mit Kücheninsel

Marrokanische Fliesen setzen in der Küche besondere Akzente.

Die Materialwahl spielte aber nicht nur innen eine wichtige Rolle, sondern ebenso bei der Gestaltung der Fassaden. Als Reminiszenz an das Münsterland kamen rote Klinker mit Kohle- und Schmelzbrandanteilen aus dem Ringofen zum Einsatz. Die unterschiedlichen Rottöne des Klinkers lassen die Außenhülle des Hauses lebendig und natürlich wirken. Die Architekten Spiekermann schufen zusammen mit den Bauherren insgesamt ein stimmiges Gesamtkonzept aus Architektur, Materialien und besonderen Ausstattungselementen.

Dass der Altbau so an die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden konnte, liegt auch an der klugen Entscheidung der Planer, die Tragstruktur des Hauses mit Kalksandstein zu ertüchtigen. Zu den großen statisch relevanten Veränderungen gehörte unter anderem die Neuordnung der Grundrisse. Das umfasste nicht nur, überflüssige Zwischenwände zu entfernen und neue Innenwände zu errichten, sondern auch den Einbau eines Aufzugs sowie die Vergrößerung oder Verschiebung von Fensteröffnungen für mehr Licht im Inneren. Außerdem erhielten die Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss Loggien als private Außenräume. Für die Innen- und Außenwände wählten die Planer klein- und mittelformatige Kalksandsteine von KS-ORIGINAL. „Wir bevorzugen den Kalksandstein, weil er hohe Anforderungen an die Tragfähigkeit und den Schallschutz erfüllt“, sagt Oliver Spiekermann. „Damit konnten wir die Umbauten nach unseren Vorstellungen realisieren. Die massiven Wände halten außerdem problemlos auch schwere Hängeschränke aus.“

 

Dank der vielseitig einsetzbaren Kleinformate von KS-ORIGINAL konnten die Architekten ihre räumlichen Planungen flexibel und sicher umsetzen, da sie die ideal für das Bauen im Bestand eignen. Für den Umbau des Wohnhauses in Münster wurden vor allem kleinformatige Steine handvermauert. Der Baustoff bietet aber noch einen weiteren für Oliver Spiekermann ausschlaggebenden Vorteil. So ist für den Architekten wichtig, dass die eingesetzten Materialien regional jederzeit verfügbar sind. „Wir arbeiten eng mit den KS* Kalksandsteinherstellern aus unserer Umgebung zusammen. Bei diesem Projekt, wie auch schon bei früheren, haben wir gut die benötigten Mengen kalkulieren können und dadurch keine Lieferzeiten abwarten müssen.“ Bei dem Wohnhaus in Münster bewies Kalksandstein einmal mehr seine Zuverlässigkeit – sowohl hinsichtlich seiner vielen positiven Baustoffeigenschaften als auch bezüglich der Flexibilität in der Planungs- und Bauphase.

Haus Surmann Bad

Das Fenster an den Dachschrägen rückt auch im Bad das Materialkonzept der innenarchitekturbegeisterten Bauherrin ins rechte Licht.

Haus Surmann Küche mit Kücheninsel

Die elegante schwarz Küche fügt sich harmonisch in das neue Raumkonzept ein.

Haus Surmann Tageslichtbad mit Stauraum

Das helle Tageslichtbad bietet neben einer langen schlauchförmigen Dusche viel Stauraum.

Büroprofil

Seit 1965 plant, entwirft, zeichnet, koordiniert und baut das Büro Architekten Spiekermann im münsterländischen Beelen. Die Projekte im Architekturstil zwischen Tradition und Moderne reichen von Klinkerbauten mit Satteldach bis zu zeitgenössischen Flachdachhäusern und von Carports bis zu Gewerbehallen. Das Team besteht aus sechs Architekten, vier Bauingenieuren, vier Bauzeichnern, einem Auszubildenden, zwei Werkstudenten und einer Geschäftsleitungsassistentin.

Bauaufgabe
Bauen im Bestand
Lage
Münster
Architektur/Bauplanung
Architekten Spiekermann
Bauherr
privat
Grundfläche
299m²
Fertigstellung
2019
Autor

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