Mehrgenerationenhaus Gechingen Straßenansicht

Ein Ensemble für alle Lebensphasen

Am Südrand von Gechingen, einem kleinen Schwarzwalddorf mit knapp 3.700 Einwohner*innen, verbinden drei neue Gebäude Eigentumswohnungen, betreutes Wohnen und Tagespflege. Die KS-Bauweise bildet dabei die massive Basis für die zeitgemäße Interpretation regionaler Bautypologien.

Mit dem demografischen Wandel verändern sich die Anforderungen an das Wohnen spürbar. Eine älter werdende Gesellschaft, kleinere Haushalte und zunehmend individuelle Lebensmodelle führen dazu, dass alltägliche Begegnungen seltener werden. Wohnkonzepte, die den Austausch ermöglichen und Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen zusammenbringen, gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung – vermehrt auch in ländlichen Gebieten.

So auch in Gechingen. Ein typisches schwäbisches Dorf, geprägt von Fachwerkhäusern im Ortskern, ruhigen Straßen und weiten Feldern. Am südlichen Ortsrand, wo die Bebauung lockerer wird, und in direkter Nachbarschaft zum gemeindeeigenen Pflegeheim, errichtete die Paulus Wohnbau ein neues Wohnensemble. Die Lage neben dem Pflegeheim ist kein Zufall: Das Projekt denkt Wohnen nicht isoliert, sondern als Teil des Lebens, in dem verschiedene Bedürfnisse an einem Ort zusammenkommen können. 

Ein Ort, der Verbindungen schafft

Der Entwurf geht auf die Ludwigsburger Architektin Theresa Metzger zurück, ab der Ausführungsplanung übernahm das Stuttgarter Büro Architektur 6H. Schon die Setzung der Baukörper zeigt das übergeordnete Ziel des Projekts. „Ich wollte es einfach nicht so machen wie es am Ortsrand oft üblich ist und einen drei- oder viergeschossigen großen, weißen Kasten hinsetzen“ erklärt Theresa Metzger. Stattdessen platzierte sie auf dem rund 3.250 Quadratmeter großen Grundstück drei kompakte Dreigeschosser so zueinander, dass Zwischenräume für Begegnungen entstehen. Dabei ist ein Gebäude dem betreuten Wohnen vorbehalten, während die anderen beiden Baukörper als Mehrgenerationenhäuser mit unterschiedlichen Wohnungstypologien angelegt wurden.

Zwischen den beiden Mehrgenerationenhäusern liegt ein Spielplatz mit Sitz- und Verweilmöglichkeiten für Familien, aber auch für die gesamte Nachbarschaft. Ergänzt wird dieses Angebot durch einen Gemeinschaftsraum und organisierte Angebote, die gezielt Begegnungen zwischen den Be- und Anwohner*innen fördern sollen. 

Auch wenn das Ensemble am Südrand des Dorfes platziert ist, bleibt es angebunden. Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Bäcker und Restaurant sind ebenso wie eine Kita und das Pflegeheim fußläufig zu erreichen – auch mit dem Rollator oder dem Kinderwagen. 

Mehrgenerationenhaus Gechingen Eingangsbereich

Die drei Häuser sind über das Erdgeschoss erschließbar sowie über die Tiefgarage.

Mehrgenerationenhaus Gechingen drei Gebäude

Die drei Gebäude des Mehrgenerationenprojekts fügen sich mit Holzfassaden und begrünten Dachflächen in den ländlichen Kontext ein.

Mehrgenerationenhaus Gechingen Wohnung

Der Wohnungsmix: Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 40 m2 bis zu größeren Einheiten mit bis zu vier Zimmern und 115 m2.

Mehrgenerationenhaus Gechingen Wohnraum

Durch die Lage am Ortsrand haben die Bewohner*innen Weitblick über das Feld.

Unterschiedliche Lebensphasen, ein gemeinsamer Rahmen

Innerhalb der Gebäude wurde der Erreichbarkeitsaspekt weitergedacht. Die drei Häuser sind einerseits über das Erdgeschoss erschließbar, andererseits können alle Wohnungen über die Tiefgarage barrierearm erschlossen werden. 

Zwei der drei Häuser beherbergen insgesamt 19 Wohneinheiten, bei denen es sich um Eigentumswohnungen handelt. Um auch hier eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen zu können, reicht das Angebot von kompakten Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 40 m2 bis zu größeren Einheiten mit bis zu vier Zimmern und 115 m2. Neben den verschiedenen Wohnungstypologien in den ersten beiden Etagen erhalten die Dachgeschosswohnungen mit Raumhöhen von bis zu 3,55 Metern eine unerwartete Großzügigkeit.

Das dritte Haus ist dem betreuten Wohnen vorbehalten. „Die 20 Einheiten wurden vermehrt als Zwei-Zimmer-Wohnungen geplant, um dem Bedarf der Bewohner*innen, die meist allein oder zu zweit einziehen, gerecht zu werden“, so Metzger. Auch der Aufbau der Wohnungen richtet sich nach ihren Bedürfnissen: die Wege innerhalb der Wohnungen wurden kurzgehalten, sodass sie sich darin selbstständig orientieren und bewegen können. Ergänzt wurde das Angebot des betreuten Wohnens durch eine Tagespflege im Erdgeschoss. 

Zusätzlich verfügen alle Wohnungen über einen privaten Außenbereich in Form von Balkonen oder Loggien. „Insbesondere für die älteren Menschen waren mir die Balkone wichtig, sodass sie jederzeit mit der Außenwelt in Kontakt kommen können“, betont die Architektin. 

Mehrgenerationenhaus Gechingen Fassade

Die Holzfassade wiederholt sich in allen drei Baukörpern.

Massive Basis für flexible Gestaltung

Auch das äußere Erscheinungsbild sucht die Verbindung zur Umgebung. Ein leicht geneigtes Satteldach nimmt die Typologie der Bebauung auf, die Holzfassade sowie die Begrünung der Dachflächen stellen den Bezug zur Landschaft her. 

Konstruktiv setzt das Ensemble auf die KS-Bauweise, die sich durch ihre Funktionstrennung in eine tragende, eine dämmende und eine Schicht zum Schutz vor Witterung kennzeichnet. Alle drei Schichten können unabhängig voneinander und entsprechend der statischen, bauphysikalischen und gestalterischen Anforderungen geplant werden. Im Falle des Mehrgenerationenhauses in Gechingen übernehmen 17,5 Zentimeter starke KS-XL-Planelemente von KS-Original die tragende Funktion im Außenwandaufbau. Die großformatigen Elemente wurden auf Basis der Ausführungsplanung werkseitig vorelementiert, individuell zugeschnitten und just-in-sequence auf die Baustelle geliefert. Ihre Maßgenauigkeit erleichterte die Ausführungssicherheit und unterstützte den schnellen, wirtschaftlichen Baufortschritt. Auf die massive Außenwand folgt eine 22 Zentimeter dicke Mineralwolldämmung mit einer vorgehängten, hinterlüfteten Holzfassade.

Auch bei den Wohnungstrennwänden setze Reginald Eckhoff, Geschäftsführer von Architektur 6H, auf Kalksandstein. „Die 20 Zentimeter starken Wohnungstrennwände sorgen für einen guten, sicheren Schallschutz zwischen den Einheiten.“ 

Ein Modell für den ländlichen Wohnungsbau

Das Projekt in Gechingen erfindet das Konzept des Wohnens nicht komplett neu und genau darin liegt seine Stärke. Es zeigt, wie sich innerhalb eines ganz normalen Neubaugebiets neue Wohnformen entwickeln lassen, ohne die Logik des konventionellen Bauens zu verlassen. Die Mischung aus Eigentumswohnungen, betreutem Wohnen und Tagespflege, die räumliche Nähe zum bestehenden Pflegeheim, die gemeinschaftlich nutzbaren Flächen – all das schafft ein Gefüge, das auf leise Weise mehr kann als Standardlösungen. 

Bauaufgabe
Wohnungsbau
Lage
Gechingen
Architektur/Bauplanung
Theresa Metzger (Entwurf) | Architektur 6 H (Ausführungsplanung)
Bauträger
Paulus Wohnbau | Magnus Wohnbau
Fertigstellung
2026
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