DonCamillo und Peppone Wolfsburg Hochhaus Sanierung
1. Oktober 2026 | Bauen im Bestand | Statik

Zwei Türme visionär gedacht

Was einst als moderne Residenz galt, war zuletzt ein stigmatisierter Bestand mit Asbestbelastung, maroder Fassade und dem Ruf zweier „Problemhochhäuser“. In Wolfsburg-Detmerode hat die NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH die beiden Gebäude Don Camillo und Peppone dennoch nicht abgerissen, sondern grundlegend transformiert. Das Ergebnis: Zwei Türme mit Strahlkraft weit über den Stadtteil hinaus.

Seit den 1960er-Jahren steht Wolfsburg-Detmerode für den schnellen Wohnungsbau der Nachkriegszeit. Dazu zählen auch die Türme Don Camillo und Peppone mit 13 und 23 Stockwerken. Sie dienten einst als weithin sichtbare Orientierungspunkte und identitätsstiftende Landmarken. Mit den Jahren wurden sie zum Sinnbild jener baulichen wie sozialen Probleme, die sich in manchen Hochhausbeständen dieser Zeit verdichten konnten.
Heute ist das Aussehen des Paares ein vollkommen anderes. Vorgestellte Balkone und eine markante Fassade prägen das Bild. Ermöglicht wurde dieser Wandel durch die Entscheidung des kommunalen Wohnungsunternehmens NEULAND, die beiden Türme zu erhalten und umfassend zu sanieren.

DonCamillo und Peppone Wolfsburg Hochhaus Sanierung Fassade

Die neuen Fassadenelemente verleihen dem Hochhaus einen moderneren Look.

Übernahme eines „Überraschungspakets“

Über Jahrzehnte wechselten die Hochhäuser mehrfach den Eigentümer. Darunter litt die Bewirtschaftung, technische Erneuerungen blieben aus. 2015 übernahm die NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH auf Weisung der Stadt die beiden Hochhäuser. Der Befund nach dem Kauf war ernüchternd: Die Fassade war so stark abgängig, dass sie unmittelbar gesichert werden musste. „Die haustechnischen Anlagen befanden sich in katastrophalem Zustand. Hinzu kam eine erhebliche Asbestbelastung. Allerdings war der Rohbau ein Lichtblick für uns. Die Bewehrung saß an der richtigen Stelle und die Tragfähigkeit war gegeben“, berichtet Hans-Dieter Brand, Sprecher der Geschäftsführung. 

Abriss vs. Sanierung

Detmerode wurde seinerzeit ohne klassischen Bebauungsplan realisiert. „In der Sekunde des Abbruchs stehen Sie auf einem Grundstück, das kein Baurecht hat“, erklärt Brand. Parallel war die gesellschaftliche Diskussion um graue Energie und Bestandserhalt bereits in vollem Gange. Für die NEULAND lag es daher nahe, den Rohbau zu erhalten und zu sanieren.
Da aufgrund der Asbestbelastung freigewordene Wohnungen nicht mehr neu vermietet werden durften, konnte das Gebäude schrittweise in die Schadstoffsanierung übergehen; Wohnung für Wohnung, über 35 Geschosse hinweg, im aufwendigen 3-Kammersystem.

DonCamillo und Peppone Wolfsburg Hochhaus Sanierung Rohbau Drohne

Der Rohbau wurde erhalten und umfangreich saniert.

Vom Problemfall zum Zielbild

Nach der Schadstoffsanierung brauchte es ein überzeugendes Zielbild. Hierfür wurde der kanadische Planer Chris Doray beauftragt, dessen Studio im internationalen Hochhausbau tätig ist. Ziel war es, den Bestand nicht nur technisch, sondern vor allem räumlich und atmosphärisch neu zu denken. Brand formuliert es klar: „Das Wohnerlebnis Hochhaus musste anders werden.“ Die Antwort ist eine Kombination aus äußerer und innerer Veränderung: großformatige, vorgestellte Balkone und eine neue, weich modellierte Fassade aus Metallelementen, deren Form an eine zeitgenössische Karosserie erinnert. 

Das Wohnerlebnis Hochhaus musste anders werden. 

DonCamillo und Peppone Wolfsburg Hochhaus Sanierung Seitenansicht

Aus ehemals 250 Einheiten wurden 210 Wohnungen, überwiegend Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen rund 68 und 84 Quadratmetern.

Erschließung mit Ausblick

Im Inneren greift die Sanierung gezielt dort ein, wo der ursprüngliche Aufbau den heutigen Anforderungen am wenigsten gerecht wurde. Statt dunkler Flure gibt es nun helle Erschließungszonen mit Foyers auf jeder Etage. Sie grenzen an die neuen, außenliegenden Aufzüge; einer davon ausgeführt als verglaster Panoramalift. Zudem konnten durch die Neuordnung der inneren Flurzonen Flächen für Bäder und Nebenräume gewonnen werden, die heute deutlich größer ausfallen. „Wir wollten kein Gebäude mit lauter Kompromissen, sondern Grundrisse, die langfristig funktionieren“, so Brand. Aus ehemals 250 Einheiten wurden 210 Wohnungen, überwiegend Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen rund 68 und 84 Quadratmetern, ergänzt um einige größere, zusammengelegte Einheiten. Die Mischung bietet Raum für Paare, kleine Familien und alleinlebende Personen, ohne in übergroße Flächen zu verfallen, die die Mieten in die Höhe treiben würden.

Massiver Kern aus Kalksandstein

Das Ergebnis macht sich auch in der Energiebilanz bemerkbar: Die sanierten Hochhäuser erreichen den KfW-55-Standard und stoßen rund 75 Prozent weniger CO2 aus als vor der Sanierung. Während Balkone, Treppenhäuser und Fassade die sichtbarsten Veränderungen darstellen, ruht die Transformation auf dem vorhandenen Ortbetonrohbau und dem neu verbauten massiven Mauerwerk: Die Wohnungstrennwände wurden in Kalksandstein ausgeführt, auch Teile der Außenwände sind als Ausfachungen in KS-Bauweise realisiert. Ursprünglich wurden hier Betonfertigteile vorgesehen, doch der Kalksandstein erwies sich aufgrund seines geringeren Gewichts als sinnvollere Wahl.

DonCamillo und Peppone Wolfsburg Hochhaus Sanierung Rohbau

Fenster ließen sich später sicher im Kalksandstein verankern, die Unterkonstruktion für die innere Betonverkleidung konnte gemauert werden, und mit den 8-DF-Steinen ließ sich eine zusätzliche, über alle Geschosse reichende tragende Wand realisieren.

Flexibilität im Bestand

Zum Einsatz kamen Vollsteine in verschiedenen Formaten – von 2 DF bis 8 DF in der Rohdichteklasse 2,0 und mit einer Druckfestigkeitsklasse von 20. Diese Kombination ermöglicht schlanke und zugleich belastbare Wandquerschnitte, die vertikale und horizontale Lasten in den Hochhausbauten aufnehmen können. Die unterschiedlichen Formate boten eine wertvolle Flexibilität innerhalb des Bestands: Fenster ließen sich sicher im Kalksandstein verankern, die Unterkonstruktion für die innere Betonverkleidung konnte gemauert werden, und mit den 8-DF-Steinen ließ sich eine zusätzliche, über alle Geschosse reichende tragende Wand realisieren. Brand sieht noch einen anderen Vorteil: „Nach den vielen Unwägbarkeiten innerhalb des Baus war es gut, ein einfaches Material zu verarbeiten, das jeder gut kennt und von dem jeder weiß, wie es zu verbauen ist.“

Lernen am Hochhaus

Die Sanierung von Don Camillo und Peppone zeigt, wie komplex der Umbau bestehender Hochhäuser sein kann – technisch, wirtschaftlich und organisatorisch. „Das Projekt zeigt sehr gut, welches Potenzial im Weiterbauen des Bestands steckt, wenn er konsequent weiterentwickelt wird und in ein paar Jahren sind es nicht mehr die Schwierigkeiten des Baus, die im Vordergrund stehen werden, sondern das Ergebnis“, resümiert Brand. Aus einem stigmatisierten Problemhochhaus ist wieder ein Teil der Stadt Wolfsburg geworden, das seine historische Rolle als Landmarke behält und zugleich ein verändertes Bild abgibt.

Die Köpfe hinter dem Projekt

Die NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH vereint Projektentwicklung, Planung und Ausführung unter einem Dach. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Anspruch, qualitätvollen Wohnraum präzise auf den jeweiligen Ort und seine Bewohner*innen zuzuschneiden. Das Team denkt architektonische Gestaltung, Konstruktion und Wirtschaftlichkeit konsequent zusammen und setzt dabei auf robuste, langlebige Baustoffe.

Hans Dieter Brand NEULAND

Hans Dieter Brand, Sprecher der Geschäftsführung der NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH 

Bauaufgabe
Bauen im Bestand
Lage
Wolfsburg
Architektur/Bauplanung
u. a. Chris Doray Studio, Vancouver
Bauherr
NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH
Fertigstellung
2027
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