Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Abenddämmerung

Villa im Wald

Auf einem 6.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück im Münsterland ersetzt ein eingeschossiger Neubau ein Haus aus den 1960er-Jahren. Das Wohnhaus reagiert auf die Topografie, große Verglasungen öffnen die Räume zum Wald. „Man taucht direkt in die Natur ein“, beschreibt Oliver Spiekermann die Ankunft.

Für das Architekturbüro Spiekermann entsteht ein Haus nicht als frei gesetztes Objekt. Ort, Nutzung und Alltag bilden die Grundlage. Bei Haus W zeigt sich diese Haltung bereits an der Setzung. „Das Haus passt sich dem Grundstück an, den Bäumen und der Topografie“, so Spiekermann. In der Umsetzung bedeutet das: Der Entwurf berücksichtigt die vorhandenen Sichtachsen und integriert kleine Höfe in Form von Einschnitten in den Grundriss. Im Vergleich zum Vorgängerhaus wurde Haus W näher an die Grundstücksgrenze versetzt. Dadurch entstand eine größere zusammenhängende Gartenfläche. Die bestehende Zufahrt führt durch einen kleinen Wald und über einen sanften Hügel. „Es ist ein bisschen, wie in den Urlaub zu fahren“, beschreibt Spiekermann die Atmosphäre.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Auffahrt

Die unterschiedlichen Raumhöhen von Haus W lassen sich von außen erkennen und machen die innere Ordnung sichtbar.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Auffahrt abends

Im Dunkeln kommen die hellen Fassadenklinker durch die Beleuchtung besonders zur Geltung.

Vom Bestand zum eingeschossigen Neubau

Gewünscht war ein eingeschossiges Haus mit viel Glas und einem engen Bezug zum Außenraum. „Die flache, horizontale Anlage fügt sich zwar besser in das bewaldete Grundstück ein, dennoch mussten wir den Baukörper bei einer Gesamtnutzfläche von 574 Quadratmetern klar gliedern“, erklärt Oliver Spiekermann.

Die Lösung ist eine T-förmige Grundstruktur. Im linken Flügel liegen die Zufahrt, der öffentliche Eingangsbereich, Garagen und Funktionsräume. Der private Bereich öffnet sich auf der anderen Seite nach Südwesten. Küche, Essen und Wohnen bilden in der Mitte des Hauses eine offene Raumfolge und verbinden den Bereich des Ankommens mit den privaten Räumen.

Innere Ordnung sichtbar gemacht

Eine Besonderheit des Entwurfs liegt in den unterschiedlichen Raumhöhen. Schlafzimmer, Fitnessbereich, Küche und Eingang sind jeweils eigene Zonen mit Höhen von 3,60 bis 4,60 Metern. Die seitlichen Gebäudeteile bleiben mit etwa 3 Metern Höhe eher zurückhaltend, während die Raumhöhe im zentralen Essbereich auf 6,30 Meter steigt.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Gartenansicht mit Terrasse

Durch die großzügige bis zu 4,8 Meter hohe Fensterverglasung wird die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum bewusst aufgehoben. Das dunkel lasierte Eichen-Holz steht dabei im Kontrast zum hellen Fassadenklinker.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Terrasse

Die auskragenden Dächer haben eine Spannweite von bis zu 3,4 und vermitteln das Gefühl einer schwebenden Leichtigkeit.

Massiv gebaut mit weit auskragendem Dach

Konstruktiv basiert Haus W auf rechteckigen Raumkuben. Außen- und Innenwände bestehen aus Kalksandstein; Ringträger und Betondecke ergänzen das Grundgerüst. Die Außenwand folgt dem klassischen westfälischen Aufbau mit einer 17,5 Zentimeter dicken tragenden Schicht aus Kalksandstein und einer 18 Zentimeter starken Mineralwolldämmung. Für die tragende Schicht wurde ein kleineres Mittelformat von KS-Original verwendet, das sich gut für Versprünge im Grundriss eignet. Seine Zusammensetzung aus ausschließlich natürlichen Ressourcen sorgt für ein gesundes und ganzjährig konstantes Raumklima.

Das konstruktive Prinzip ist einfach, dennoch müssen die Wände zusätzliche Lasten der Auskragungen aufnehmen. „Im Bereich von Küche und Esszimmer haben wir eine Auskragung von 3,40 Metern“, beschreibt Spiekermann. Deshalb wurde das Mauerwerk durch einen Ringbalken und im Bereich der Auskragung zusätzlich durch einen Stahlträger ergänzt. Auf diesem liegt die Dachkonstruktion auf.

Klinker außen, Holz und Sichtbeton innen

Die Fassade verbindet den massiven Wandaufbau mit hellem Klinker, der teilweise unverfugt ausgeführt wurde. Dadurch entsteht eine plastische Oberfläche mit deutlich sichtbarer Struktur, die am Dachrand durch Kupfer ergänzt wird. Die helle Fassade steht im Kontrast zu den großflächigen, dunkel lasierten Fensteranlagen aus Eichenholz. Ihre Höhe von bis zu 4,80 Metern lässt die Grenze zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen. Ein hoher, schmaler Flur bildet das Rückgrat des Hauses. Er führt an Innenhöfen vorbei und verbindet die unterschiedlichen Zonen. Von hier aus entstehen immer neue Blickwinkel in den Garten oder zurück in andere Räume. „Es ist wie in einem Museum: großer Flur, Innenhöfe, immer wieder Änderungen und Überraschungen“, beschreibt Spiekermann die Wirkung.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Küche

Im zentralen Essbereich beträgt die Deckenhöhe 6,3 Meter, wobei Koch-, Ess-, und Wohnbereich als offene Raumfolge angelegt sind. Die T-förmige Grundstruktur des Gebäudes schafft eine klare Zonierung zwischen den öffentlichen und privaten Bereichen des Neu

Technik, die sich dem Alltag unterordnet

Erdwärme und Photovoltaik sollen einen möglichst unabhängigen Betrieb gewährleisten. Zugleich verweist das Projekt auf eine grundsätzliche Haltung des Büros: Wohnhäuser müssen heute technisch viel leisten, dürfen aber nicht nur auf Energieeffizienz oder Repräsentation reduziert werden. 

Haus W verbindet diese Anforderungen mit einer klaren baulichen Ordnung. Der Baukörper reagiert auf die Bäume, der Grundriss auf die Abläufe des Wohnens und die Konstruktion auf die gewünschten Spannweiten. So entsteht ein Haus, dessen Form sich aus dem Ort erklärt.

 

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Eingangsbereich

Der helle Fassadenklinker wurde bewusst unverfugt gelassen, was eine dreidimensionale Optik erzeugt.

Villa im Wald Haus W von Architekten Spiekermann Wohnbereich

Durch gezielte Einschnitte, Versprünge und gestaffelte Höhen der verschiedenen Gebäudeteile entsteht ein lebendiges Volumen, das auf die natürliche Umgebung reagiert.

Der Kopf hinter dem Projekt

Seit 1965 plant, entwirft, zeichnet, koordiniert und baut das Büro Architekten Spiekermann im münsterländischen Beelen. Die Projekte im Architekturstil zwischen Tradition und Moderne reichen von Klinkerbauten mit Satteldach bis zu zeitgenössischen Flachdachhäusern und von Carports bis zu Gewerbehallen. 

Portrait Architekt Oliver Spiekermann

Architekt und Büroleiter Oliver Spiekermann von Spiekermann Architekten.

Bauaufgabe
Wohnungsbau
Lage
Münsterland
Architektur/Bauplanung
Architekten Spiekermann
Grundfläche
538.00m²
Fertigstellung
2025

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