Oheriedentrift Außenansicht

Der perfekte Abschluss eines Stadtteils

Auf einer Gesamtlänge von 300 Metern erschließen sich die drei straßenbegleitenden Gebäude an der Oheriedentrift in Hannover, die das Architekturbüro Kiefer | Sander Architekten für die städtische Wohnungsbaugesellschaft hanova realisiert hat. Die Riegel bilden den städtebaulichen Abschluss des Baugebietes Kronsberg-Nord und bieten auf einer Fläche von rund 10.500 m² hochwertigen, aber gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum für unterschiedliche Nutzungskonzepte.

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Eine ausgezeichnete Infrastruktur, zahlreiche Erholungsmöglichkeiten, viel Grün, Kitas und Schulen machen den Stadtteil Kronsberg-Nord, der im Rahmen der EXPO im Jahr 2000 entwickelt wurde, zu einer beliebten Wohnsiedlung im südöstlichen Teil der Landeshauptstadt. Neben freifinanzierten und geförderten Wohneinheiten wurde bei diesem großangelegte Bauprojekt auch Wohnraum für Geflohene realisiert, der für einen temporären Nutzungszeitraum von zehn Jahren vorgesehen ist. Insgesamt sind 150 barrierefreie Wohnungen mit Grundrissgrößen von ca. 48 m² bis 106 m² entstanden.

Drei Häuser, eine Einheit

„Die Definition und Ausformulierung des Randes war ein wichtiges Thema“, berichtet Jörg Sander, Architekt bei Kiefer | Sander Architekten BDA. Die dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser liegen an der Oheriedentrift, der ehemaligen Erschließungsstraße des Baugebietes, die gleichzeitig den äußeren Rand des Stadtteils definiert. Neben der präzisen Formgebung der Baukörper überzeugt die homogene Gestaltung der Fassade: Die Riegel wurden dreiseitig mit Klinkerriemchen in verschiedenen Orange-Nuancen verkleidet. Variierende Rücksprünge in der Fassade und bodentiefe Holzfenster im wiederkehrenden Format bilden ein spannungsreiches, ausgewogenes Erscheinungsbild zwischen Einheit und Vielfalt.

Oheriedentrift

Die Blockrandbebauung bildet den Abschluss des Baugebietes Kronsberg-Nord.

Oheriedentrift

Durch Einschnitte der Dachterrassen in den obersten Geschossen und die zweifarbige Putzfassade erhalten die Baukörper eine ansprechende Strukturierung.

Die Innenhoffassaden, zweifarbig verputzt, erhalten durch die vorgestellten Stahlbalkone und Einschnitte der Dachterrassen im obersten Geschoss einen rhythmischen Kontrast. Ein Riegel besteht aus jeweils fünf Mehrfamilienhäusern, die als Zwei- oder Dreispänner ausformuliert sind. Als Block bildet er eine klare Trennung zwischen dem halböffentlichen Innenhof und dem öffentlichen Straßenraum. „Trotz der Varianz, wollten wir die drei Baukörper als Einheit verstanden wissen“, so Jörg Sander.

Gebaut wurde nach dem energieeffizienten Kronsberg-Standard: Ein von der Stadt Hannover explizit für diesen Standort ausgearbeitetes ökologisches Konzept, das die energetischen Anforderungen eines Passivhauses vorschreibt, aber auch u.a. den Verzicht auf Materialien wie Aluminium und PVC festlegt. Alle drei Hausdächer wurden mit extensiven Gründächern ausgestattet. 
 

Unterschiedliche Nutzungskonzepte

Freifinanzierte und geförderte Wohnungen, Flüchtlingswohnungen und ein zusätzliches Flüchtlingswohnheim wurden von den Architekten in den drei Gebäuden realisiert. „Die Herausforderung bestand darin, ein Flüchtlingswohnheim zu integrieren, das nach Wohnheimverordnung genehmigt wird und zusätzlich über einen zweiten baulichen Rettungsweg verfügen musste. Im Gegensatz zu den zwei weiteren Gebäuden haben wir an dieser Stelle ein zweispänniges Haus entwickelt und den Rettungsweg über eine Stahlkonstruktion auf der Innenhofseite gelöst“, erläutert Architekt Harald Kiefer vom Büros Kiefer | Sander aus Sarstedt. „Da das Wohnheim für eine temporäre Nutzungsdauer von zehn Jahren festgelegt ist, haben wir ein Haus geplant, das nach der Nutzung so zurückgebaut werden kann, dass aus dem Wohnheim später Sozialwohnungen entstehen können. Aus dem Zweispänner wird dann ein Dreispänner, und der Rettungsweg wird zu Balkonen umfunktioniert“, führt Kiefer weiter aus.

Oheriedentrift

Freifinanzierte und geförderte Wohnungen, Wohnungen und ein zusätzliches Wohnheim für Geflohene wurden realisiert.

Oheriedentrift

Der geforderte zweite bauliche Rettungsweg für das Wohnheim für Geflohene wurde an der Innenhofseite angebracht. Dieser wird nach der temporären Nutzung zu Balkonen zurückgebaut.

Gelungene Balance zwischen Kosten- und Qualitätsanspruch

Die Architekten standen vor der Aufgabe, eine werthaltige Lösung zu finden, die den Ansprüchen an den Städtebau, die Architektur und den unterschiedlichen Nutzungskonzepten gleichermaßen Rechnung trägt. „Mit relativ engen Rahmenbedingungen umzugehen, ist für Architekten heutzutage nichts besonderes. Gerade im geförderten Wohnungsbau und bei der Realisierung von Wohnraum für Geflohene gibt es jedoch zahlreiche Parameter und ein strenges Kostenkorsett, die es zu beachten galt“, weiß Harald Kiefer.

Oheriedentrift Außenansicht

Präzise Formgebung und eine überzeugende Gestaltung der Fassade: Die Mehrfamilienhäuser wurden straßenseitig mit Klinkerriemchen verkleidet.

„Gefragt sind innovative und durchdachte Ansätze, die ansprechenden Wohnraum schaffen. Wohnraum, der bezahlbar ist und dauerhaft nachhaltigen, sozialen und ästhetischen Kriterien genügt. Es geht immer darum, das Bestmögliche im Rahmen der Möglichkeiten herauszuholen“, führt der ehemalige Landesvorsitzende des BDA Niedersachsens weiter aus. „Ideen muss man sich erarbeiten. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Ort als Genius Loci ist das, woraus sich die Logik der Arbeit ergibt.“ „Beim Entwickeln muss man beachten, dass die Konstruktion und die gewählten Materialien auch während der Nutzung wenig Kosten verursachen und dem Objekt eine dauerhaft optische Qualität verleihen“, fügt Jörg Sander hinzu. 

Qualitätsvoll, kosteneffizient und einfach nachhaltig

„Werthaltige Materialien haben natürlich auch einen Einfluss auf die Wahrnehmung und die Qualität des Hauses. Ich bin der Überzeugung, dass man auch mit ganz einfachen Materialien eine gute Architektur umsetzen kann, wenn man diese im Detail, in der Proportion und den Anschlüssen gut umsetzt“, so Jörg Sander. Da die Gebäude nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kurzfristig errichtet werden sollten und die Architekten keine Kompromisse in Bezug auf Tragfähigkeit, Brandschutz und Wohnkomfort eingehen wollten, entschieden sie sich „schon fast intuitiv“, wie Harald Kiefer berichtet, für eine massive Bauweise mit großformatigen Kalksandstein-Planelementen des Bausystems KS-PLUS

Oheriedentrift Ansicht

Die Innenhoffassaden erhalten durch ihre Zweifarbigkeit, Stahlbalkone mit mosaikähnlichen Einschnitten und Rücksprünge der Dachterrassen im obersten Geschoss einen rhythmischen Kontrast.

Oheriedentrift Außenansicht

„Ich bin der Überzeugung, dass man auch mit ganz einfachen Materialien eine gute Architektur umsetzen kann", so Architekt Jörg Sander.

Gerade im Wohnungsbau überzeugt der Kalksandstein mit seinen vielen Vorzügen: Durch seine hohe Rohdichte und Steindruckfestigkeit ermöglicht der weiße Wandbaustoff schlanke und statisch hoch belastbare Wandkonstruktionen. Seine hohe Wärmespeicherfähigkeit sorgt darüber hinaus für einen natürlichen Wärmeschutz – im Sommer wie im Winter.

„Kalksandstein hat einfach als Gesamtpaket gute physikalische Eigenschaften“, so Harald Kiefer. „Direkt an der Oheriedentrift führt eine Stadtbahnlinie entlang, die den Kronsberg erschließt. Unmittelbar vor dem Haus beginnt eine Kurve, wodurch sich der Geräuschpegel erhöht. Mit Kalksandstein haben wir einen hervorragenden Schallschutz gleich inklusive.“ 

Oheriedentrift

Keine Kompromisse in puncto Wohnkomfort und Schallschutz: Die Architekten setzten auf die massive KS-Bauweise mit großformatigen Kalksandstein-Planelementen.

Nachhaltigkeit beginnt mit Regionalität

Die im nahegelegenen Kalksandsteinwerk maßgenau gefertigten Wandelemente wurden just in sequence auf die Baustelle geliefert und mithilfe von Verlegeplänen und Versetzgeräten einfach und schnell verarbeitet. „Ökologie und Regionalität haben natürlich einen Zusammenhang. Vor allem, wenn man die Lieferketten betrachtet. Ich finde es unter dem Nachhaltigkeitsaspekt richtig und auch wichtig, regional zu denken. Im Idealfall wollen wir mit Firmen aus der Umgebung arbeiten und auch mit regionalen Baustoffen“, berichtet Jörg Sander.

Die Köpfe hinter dem Projekt

Harald Kiefer und Jörg Sander, Partner im Büro KIEFER | SANDER ARCHITEKTEN BDA, entwickeln mit ihrem Team verschiedenste Bauprojekte im offenen Dialog mit den Bauherren. Unter Klärung der Aufgabenstellung und Wahrung des spezifischen Ortes entsteht so eine ansprechende, qualitätsvolle und wertbeständige Architektur mit einer klaren Signifikanz und durchdachten Details. Beide sind davon überzeugt, dass eine umsichtige Entwurfsplanung und die exakte Ausführungsplanung eine wichtige Voraussetzung für die Wertbeständigkeit von Gebäuden darstellt. Den ganzheitlichen Gedanken des Berufsbildes verpflichtend, legen die Architekten aus Sarstedt den Fokus auf einen nachhaltigen Entwurf: Durch konsequente Wertbeständigkeit bis ins Detail innerhalb eines klar definierten Budgetrahmens.

Kiefer und Sander Architekten BDA
Bauaufgabe
Wohnungsbau
Lage
Hannover
Architektur/Bauplanung
KIEFER | SANDER ARCHITEKTEN BDA
Bauherr
hanova
Grundfläche
10500.00m²
Fertigstellung
I BA 2017, II BA 2020

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